Kirchentag 2011
Von Christine Bausch
Ich bin der Bernhard Mayer, Chorleiter in Nierstein, bin 63
Jahre alt, und das ist mein erster Kirchentag
verblüfftes
Schweigen macht sich beim Probentag im JoBuHa in der Runde breit,
bevor er den Satz vollendet:
seit 32 Jahren. Der
Kirchentag 1979 in Nürnberg war der letzte, bei dem die Niersteiner
CVJMer als Bläser dabei waren. Höchste Zeit also, das zu
wiederholen.
Rund 35 Bläser aus den evangelischen Posaunenchören Westhofen,
Gimbsheim, Raunheim und Leeheim sowie dem
CVJM-Posaunenchor Nierstein bildeten von 1. bis 5. Juni in Dresden
einen Chor. Zustande gekommen war der Kontakt beim Ökumenischen
Kirchentag in München 2010, als ich für die AZ bzw. für
die Wormser Zeitung über den Einsatz der Westhofener Bläser
berichtete. Deren Chorleiter Michael Nierenz schlug vor,
dass wir uns doch beim nächsten Mal anschließen könnten.
Zusammen mit den Hessen, zu denen er seit Jahren Kontakt hat, kamen
schließlich so viele zusammen, dass wir uns nicht mit anderen
Bläsern zusammentun mussten, sondern selbst stark genug waren.
Zum Probentag im Mai trafen sich alle Chöre in der Mitte
in Nierstein. Erwähnt sei, dass die Auswärtigen begeistert
waren vom Ambiente des großen Raumes im Johannes-Busch-
Haus und von der direkten Umgebung.
Evangelischer Kirchentag ohne Posaunenchöre geht gar nicht,
so formulierte es Volker Seip aus Raunheim, der als
Quartiermeister die Gruppe in der Mittelschule Weinböhla zusammenhielt.
Wir Bläser sind schließlich Gottes mobiles
Einsatzkommando. Und tatsächlich: Beim Kirchentag werden
Bläser ganz anders wahrgenommen als zuhause, wo man sich an sie
gewöhnt hat. Bei unserem ersten Einsatz direkt gegenüber
dem Zwinger blieben die Menschen stehen, schlugen ihre Kirchentags-Liederbücher
auf und sangen mit. Rainer Seip, Zwillingsbruder des Quartiermeisters
und Dirigent des Gemeinschaftschores, sagte die Liednummern an und
fiel nach der Intonation kräftig in die Melodie ein. Und auf
dem Wiener Platz direkt vor dem Hauptbahnhof wurde die Menschentraube
immer größer, der Beifall immer lauter, so dass wir viel
länger spielten als die vorgesehenen 20 Minuten.
Rudolf Harbig-Stadion, irgendwo kurz unter dem Tribünendach
die Fußball-Arena von Dynamo Dresden ist mit 20000 Sitzplätzen
etwa so groß wie das Mainzer Bruchwegstadion. Wo sonst die Fans
jubeln oder leiden, füllten 3000 Musiker die Tribüne im
Block D. Probe für den großen Schlussgottesdienst am Sonntag.
Nicht nach Gehör spielen!, forderte der winzige Dirigent
unten auf dem Rasen die Bläser auf. Der Gesamtklang funktioniert
nur, wenn alle auf den Mann am Notenpult in mehreren hundert Metern
Entfernung schauen. Das galt erst recht für den Schlussgottesdienst
selbst, bei dem 6000 Bläser an der Elbe gemeinsam spielten
und die Chöre sogar auf die beiden Ufer verteilt waren. Großartig
geprobt werden konnte das nicht, doch am Ende hat es funktioniert.
Ein erhebendes Gefühl, Teil dieses Riesen-Chores zu sein
trotz sengender Sonne.
Doch dann wurde das Instrument auch mal bei der Aufbewahrungsstelle
im Hauptbahnhof zwischengelagert, denn
natürlich blieb genug Zeit, das übrige Kirchentagsprogramm
zu genießen. Die einen zog es zu den politischen Vorträgen
mit großen Namen, die anderen ins Kabarett mit dem weiß-blauen
Beffchen. Während die Raunheimer, die mit zahlreichen 14-bis
16-Jährigen den jüngsten Altersdurchschnitt der Gruppe hatten,
am Donnerstagabend das große Wise-Guys-Konzert genossen, saßen
die Niersteiner am Elbufer und lauschen einer Open-Air-Aufführung
von Mendelssohns Paulus-Oratorium mit mehreren sächsischen Kantoreien
und einer Filminstallation auf Großleinwand im Hintergrund
die grandiose Altstadt-Kulisse in der Dämmerung. Einige Niersteiner
genossen übrigens noch den Aufstieg auf die Kuppel der Frauenkirche
oder eine Schifffahrt ins Elbsandteingebirge.
Nach einem langen Tag zwischen Frauenkirche, Zwinger und Elbe sanken
die Kirchentagsbesucher schließlich kreuzlahm und ermattet auf
die Schlafsäcke. Die Übernachtung im Klassensaal mit
Isomatte und Schlafsack gehört zum Kirchentag einfach dazu,
meinte Alexandra Behrendt aus Nierstein, und auch Manfred Muth aus
Gimbsheim möchte es nicht anders haben auch wenn morgens
um sechs der Rasierer surrt oder die Dusche mal wieder besetzt ist.
Die Räume sind sauber, das Essen klasse, wir haben eine
richtig nette Schule erwischt, sagt Quartiermeister Volker Seip. Die
Stimmung war entsprechend top. Übrigens auch in den Privatquartieren,
ebenso wie die
Schule in Weinböhla. Angelika Schmitt aus Nierstein freute sich
über den liebevoll gedeckten Frühstückstisch im Erker
mit Blick auf das liebevoll gepflegte Gärtchen der Gastgeberin.
Gabi Fritz und Birgitt Steinfurth-Aumann aus Westhofen schwärmten
von einem alten Bauernhof, den ihre Gastgeberin zu einem schmucken
kleinen Antiquariat ausgebaut hat.
Schon jetzt machen die Bläser übrigens Pläne für
2013 dann
gehts wieder an die Elbe: in die Kirchentagsstadt Hamburg.
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Zeichen deiner Nähe 2008
100 Jahre CVJM-Posaunenchor Nierstein
Die älteste Gruppe im CVJM Nierstein feiert Geburtstag
natürlich musikalisch:
Drei Bläsergottesdienste und drei Konzerte waren das Geschenk
der Bläser an
den CVJM, an die Gemeinde, an die Ehemaligen, an die Freunde, die
treu zu
jedem Konzert kommen.
Die beiden ersten Bläsergottesdienste, bei denen der Chor unter
der Leitung
von Bernhard Mayer nicht wie sonst auf der Empore saß, sondern
vor dem
Altar, und in denen die Musik eine wichtige Rolle spielte, kamen bei
der
Gemeinde gut an und sollen 2009 wiederholt werden.
Jedes der drei Konzerte hatte einen anderen Rahmen, jedes einen anderen
Charakter, jedes ein anderes Publikum. Zum Abschluss der Weihnachtszeit
stand am Epiphaniastag, 6. Januar, festliche Musik auf dem Programm,
das gemeinsam mit dem Kirchenchor und Katrin Bibiella an der Orgel
gestaltet wurde. Im Anschluss feierten Sänge und Musiker
wie jedes Jahr
gemeinsam im JoBuHa. Am Pfingstwochenende, sozusagen zum Auftakt
des ökumenischen Gemeindefestes, waren es neben freien Stücken
aus
Barock bis Romantik vor allem moderne Arrangements, die den Abend
prägten. Jörg Adrian hatte zu einigen Stücken passende
Texte ausgewählt. Im
Anschluss daran waren die Konzertbesucher zu einem Grillfest im Kirchgarten
eingeladen. Die wunderschöne Atmosphäre eines lauen Frühsommerabends
im
romantischen Kirchgarten, der tatsächlich noch zu später
Stunde proppenvoll
war, hatte eine ganz eigene Wirkung ein echtes Geburtstagsgeschenk.
Und schließlich das Festwochenende des CVJM Nierstein
am letzten
August-Wochenende. Fast eineinhalb Jahre der Vorbereitungen waren
vorausgegangen. Und dann das Wetter... Wechselhaft, regnerisch,
und dann,
als wir das Ausweichquartier abgesagt hatten: strahlender Sonnenschein
am
Samstag und Sonntag. Beste Voraussetzungen also für ein Wochenende,
an
dem wirklich alles perfekt passte. Die Probenarbeit trug gerade rechtzeitig
Früchte, die Tische im Gemeindepark füllten sich, und am
Stand nebenan war
alles für einen netten Sommerabend vorbereitet. Schön war
auch, dass wie
schon im Mai viele Ehemalige mitfeierten, einige kamen sogar ans Mikrofon
und berichteten über ihre Zeit in und mit dem CVJM-Posaunenchor.
Auch unser
früherer Bundesposaunenwart Wilhelm Schmidt und Paul Torwoe,
Vorsitzender
des YMCA in Hlefi/Ghana, waren unter den Gästen.
Die Sportler hatten bereits am Vormittag auch dies Teil des
Festwochenendes
etwas ganz Neues ausprobiert: Sie hatten eine Beachsocceranlage
ausgeliehen und jagten barfuß im Sand dem Fußball hinterher.
Wer dabei war,
hat Spaß daran gefunden: Nächstes Jahr soll das Turnier
in größerem Rahmen
wiederholt werden.
Ebenso wie das Grillfest im Kirchgarten wurde für mich
der Bläsergottesdienst im Grünen zu einem weiteren
Höhepunkt des Jubiläumsjahres. Unvergessen sicher auch für
die Gemeinde, die zum ersten
Mal an diesem Ort Gottesdienst feierte. Deshalb werden sich viele
sicher gerne
an das Fest erinnern mit der Predigt von Pfarrer Klaus Lehrbach,
mit der
Liturgie von Pfarrer Richard Dautermann und Eva-Maria Günther
und mit den
bunten Noten und Notenschlüsseln über der Bühne, die
der Kindergottesdienst
gestaltet hatte. Bei einem leckeren Mittagessen war dann noch Zeit,
um zu
plaudern und die Sonne zu genießen. Ein echtes Gemeinschaftserlebnis
für
CVJM und Kirchengemeinde.
All das wäre natürlich nicht möglich gewesen ohne
die zahlreichen Helfer, die
ganz selbstverständlich da waren und angepackt haben: Ein ganz
herzliches
Dankeschön sagen Posaunenchor und Vorstand allen Kuchenbäckern
und Köchen, Küchenhelfern und Dekorateuren, dem Aufbauteam,
den
Winzern und all jenen, die im Stand Dienst getan haben darunter
auch
Jugendkreisteilnehmer und Konfirmanden! Mit ihnen gemeinsam wollen
die
Bläser noch ein Helferfest feiern.
Ach ja, feiern. Dazu hat der Posaunenchor jetzt noch reichlich Gelegenheit,
dank der Geschenke von Gemeinde und Kirchengemeinde... Aber eben dazu
ist ein Jubiläum ja da: um Gemeinschaft zu erleben, untereinander
und mit
anderen. Jeder Gottesdienst, jedes Konzert, jedes Fest ein
Zeichen von
Gottes Nähe.
Christine Bausch
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Bläserfreizeit des CVJM-Posaunenchores
im Jugendgästehaus Hubertus in Butzbach-Münster 2002
Es war im November 2002, als vier Jungbläser-Ausbilder
in den Jungscharen die Arbeit des CVJM-Posaunenchores vorstellten und auch darüber
hinaus um Nachwuchsbläser warben. Sechs Kinder zwischen acht und elf Jahren
bekundeten daraufhin Interesse. Im März 2003 hatten wir dann für jedes
Kind das passende Instrument gefunden und einen Stundenplan für Ausbilder
und Schüler erarbeitet. Der Unterricht konnte beginnen, die ersten Töne
erklangen. Zwei Jungbläser gaben nach wenigen Wochen auf, dafür kamen
zwei neue unverhofft dazu.
Inzwischen haben sie eine erste Ahnung vom Tuten
und Blasen. Für die Kleinsten wie auch für die sechs fortgeschrittenen
Jungbläser war die Bläserfreizeit Ende November ein Meilenstein, für
alle übrigen Chormitglieder ein besonderes Erlebnis: Mit 28 Teilnehmern -
22 Bläsern und 6 Familienangehörigen - ging es nach Butzbach. Im dortigen
Freizeitheim Hubertus haben wir ein Wochenende lang in drei verschiedenen Leistungsgruppen
geprobt und das Gelernte dann sonntags zusammengesetzt. Spätestens bis Weihnachten
klang das "Oh du fröhliche" perfekt, beim Konzert zum Auftakt des
100-jährigen CVJM-Jubiläums am Sonntag, 1. Februar 2004, haben einige
Jungbläser bereits Intraden und Choräle mitgespielt.
Auch für
die erfahrenen Bläser des Posaunenchores war die Freizeit eine Premiere.
Vor allem am Samstag war viel Zeit, um an den Stücken für das Konzert
zu feilen - das war effektiver als drei bis fünf Posaunenchorproben.
Doch die Freizeit war auch ein ganz neues Gemeinschaftserlebnis, denn natürlich
wurde nicht nur gearbeitet, sondern auch gelacht, gespielt - und geschlemmt, die
Küche hat uns mit üppigen Mittagsmenüs und sich biegenden Buffets
morgens und abends verwöhnt. Zum Team gehörten neben Chorleiter Bernhard
Mayer die Ausbilder Christine Bausch, Christoph Kuhn und Uwe Malzahn, außerdem
Gerlinde Borngässer. Darüber hinaus übernahmen die älteren
Bläser wechselweise den Tagesbeginn und -abschluss sowie den Bläsergottesdienst
am Sonntag, den wir mit allen Teilnehmern gemeinsam gefeiert haben. Die erfahrenen
Jungschar- und Jugendkreismitarbeiter Thilo Mayer, Torben Gerlach, Anke Schmitt
und Meike Gerlach gestalteten mit den Kindern ein Sportprogramm am Samstagnachmittag
und einen fetzigen Spieleabend mit Klassikern wie Putzlumpenhockey, Obstkorb oder
Funkerspiel. Und während die Jüngsten dann nach dem Programm die letzten
Bälle in den Basketballkorb warfen oder den Tag bei einer Partie Junior-Trivial-Pursuit
ausklingen ließen, versammelten sich die Erwachsenen bei einem Fläschchen
Bier oder Wein in der Kaminecke.
Der Wunsch, eine solche Freizeit zu wiederholen,
ist der schönste Beweis dafür, dass das Konzept aufgegangen ist: die
älteren Bläser neu zu motivieren und die jungen zu integrieren.
Christine
Bausch